Den Fulfillment-Anbieter wechseln
Ein Wechsel ist unangenehm, aber selten so riskant wie befürchtet. Riskant wird er vor allem dann, wenn man ihn schlecht vorbereitet. Dieser Text beschreibt, worauf es ankommt – auch dort, wo es gegen uns spricht.
Wann ein Wechsel wirklich nötig ist – und wann nicht
Nicht jedes Ärgernis rechtfertigt eine Umlagerung. Ein Wechsel kostet Geld, Zeit und Nerven, und in den ersten Wochen läuft es beim neuen Dienstleister erfahrungsgemäß nicht besser, sondern erst einmal unruhiger. Es gibt aber Signale, bei denen Abwarten die teurere Entscheidung ist.
- Fehlerquote steigt und sinkt trotz Gesprächen nicht wieder
- Sie erfahren von Problemen durch Ihre Kunden, nicht durch Ihren Dienstleister
- Es gibt keinen festen Ansprechpartner mehr, sondern nur noch Tickets
- Der Dienstleister wächst nicht mit: Ihre Spitzen werden zum Problem
- Angekündigte Schnittstellen kommen seit Monaten nicht zustande
- Die Abrechnung enthält regelmäßig Positionen, die niemand erklären kann

Was vor der Kündigung zu prüfen ist
Der häufigste Fehler ist, zuerst zu kündigen und dann zu suchen. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge – mit einem Blick in den bestehenden Vertrag als erstem Schritt.
- Kündigungsfrist und Termin
- Viele Verträge laufen jährlich mit einer Frist von drei Monaten. Wer den Termin verpasst, verliert ein Jahr. Prüfen Sie das, bevor Sie mit der Suche beginnen.
- Auslagerungskosten
- Was kostet es, die Ware wieder herauszubekommen? Diese Position steht selten im ursprünglichen Angebot, aber oft im Vertrag.
- Eigentum an Daten und Verpackung
- Wem gehören die Stammdaten, die Bestandshistorie, die kundeneigene Kartonage im Lager? Klären Sie das schriftlich, bevor die Beziehung angespannt ist.
- Restbestände und Ladungsträger
- Paletten, Gitterboxen und Behälter gehören häufig dem Dienstleister. Wer sie mitnimmt, zahlt sie.
Wie eine Umlagerung praktisch abläuft
Der Wechsel selbst ist ein Projekt mit vier Phasen. Wie lange es dauert, hängt fast ausschließlich von der Anzahl Artikel und der Komplexität der Systemanbindung ab – nicht von der Menge der Ware.
- 1. Aufnahme
- Artikelstruktur, Mengen, Verpackungen, Schnittstellen und Sonderfälle werden erfasst. Hier entscheidet sich, ob der Rest reibungslos läuft.
- 2. Systemanbindung
- Shop oder Warenwirtschaft werden angebunden, Stammdaten übertragen, Testaufträge durchgespielt. Dieser Schritt braucht am meisten Vorlauf und wird am häufigsten unterschätzt.
- 3. Umlagerung
- Die Ware wird umgefahren – idealerweise in Wellen, nicht auf einen Schlag. Schnelldreher zuletzt, damit die Lieferfähigkeit so lange wie möglich erhalten bleibt.
- 4. Parallelbetrieb
- Für eine begrenzte Zeit laufen beide Lager. Das kostet, verhindert aber den Lieferstopp. Wer diesen Schritt spart, spart an der falschen Stelle.
Der Punkt, an dem die meisten Wechsel schiefgehen
Nicht die Ware ist das Problem, sondern die Daten. Artikelstammdaten sind bei vielen Händlern über Jahre gewachsen: Maße fehlen, Gewichte sind geschätzt, Varianten sind uneinheitlich benannt. Solange nur ein Lager damit arbeitet, fällt das nicht auf.
Beim Wechsel fällt es sofort auf – und zwar als Fehler im neuen Lager. Wer vor der Umlagerung ein paar Tage in die Bereinigung der Stammdaten investiert, spart hinterher Wochen. Das ist die einzige Vorarbeit, die sich in nahezu jedem Projekt auszahlt.
Häufig gestellte Fragen
Der Zeitbedarf wird von der Systemanbindung bestimmt, nicht von der Warenmenge. Rechnen Sie mit mehreren Wochen Vorlauf für Aufnahme, Anbindung und Tests, bevor die erste Palette bewegt wird.
Nein, wenn in Wellen umgelagert wird und beide Lager eine Zeit lang parallel laufen. Ein Lieferstopp entsteht fast immer dort, wo aus Kostengründen auf den Parallelbetrieb verzichtet wurde.
Zuerst zu kündigen und dann zu suchen – und die Artikelstammdaten ungeprüft zu übernehmen. Beides lässt sich vermeiden, kostet aber Vorlauf.
Und wenn Sie es abgeben möchten
- Fulfillment und Warehousing – Warenannahme, Lagerung, Kommissionierung und Versand
- ERP- und WMS-Anbindungen – Schnittstellen, API, Datenaustausch
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