Lohnt sich Fulfillment?
Die Frage wird meistens zu spät gestellt – nämlich dann, wenn das eigene Lager schon nicht mehr mitkommt. Nützlicher ist ein nüchterner Vergleich, bevor der Druck da ist.
Was im Eigenlager selten mitgerechnet wird
Der Vergleich fällt zugunsten des Eigenlagers aus, solange man nur die Miete gegen das Angebot des Dienstleisters stellt. Vollständig wird die Rechnung erst mit den Positionen, die im Eigenlager in anderen Töpfen stecken.
- Personalkosten inklusive Urlaub, Krankheit und Fluktuation
- Regale, Flurförderzeuge, Wartung, Prüfungen
- Verpackungsmaterial und dessen Lagerung
- Software für Lagerverwaltung und Versandabwicklung
- Fläche, die für Spitzen vorgehalten wird und den Rest des Jahres leer steht
- Die Zeit der Geschäftsführung, die in Lagerthemen fließt statt in den Verkauf

Wann das Eigenlager im Vorteil bleibt
Es gibt Fälle, in denen die Abgabe nicht sinnvoll ist – und ein Dienstleister, der das nicht sagt, ist kein guter Berater.
- Sehr kleine Mengen, bei denen jede Grundgebühr überproportional wiegt
- Produkte, die kurz vor dem Versand noch individuell gefertigt werden
- Sortimente mit ständigem Zugriff aus Produktion oder Werkstatt
- Geschäftsmodelle, bei denen die Verpackung selbst das Produkt ist
- Sehr geringe Auftragszahlen bei gleichzeitig sehr vielen Artikeln
Die Kennzahl, an der man es festmachen kann
Statt über Bauchgefühl zu diskutieren, hilft eine einfache Rechnung: Ermitteln Sie Ihre Vollkosten je versandtem Auftrag im Eigenlager – alle oben genannten Positionen durch die Anzahl der Aufträge eines Jahres. Diese Zahl können Sie einem Angebot direkt gegenüberstellen.
Zwei Dinge sollten Sie dabei mitdenken. Erstens die Skalierung: Was passiert mit Ihrer Zahl, wenn die Auftragsmenge sich verdoppelt? Im Eigenlager springt sie bei jeder zusätzlichen Kraft und jeder neuen Halle. Zweitens die Spitzen: Der Vergleich muss den stärksten Monat abbilden, nicht den Durchschnitt.
Der Zwischenweg, der oft übersehen wird
Es muss nicht alles oder nichts sein. Häufig ist es sinnvoll, nur einen Teil abzugeben: das Endkundengeschäft mit vielen kleinen Sendungen an einen Dienstleister, das Projekt- und Großkundengeschäft weiter im eigenen Haus. Oder umgekehrt – die schweren, sperrigen Artikel nach außen, die Kleinteile bleiben.
Auch saisonale Auslagerung ist möglich: Das Eigenlager trägt das Jahr, der Dienstleister die Spitze. Das ist aufwendiger in der Abstimmung, aber deutlich günstiger, als Fläche und Personal ganzjährig für zwei starke Monate vorzuhalten.
Häufig gestellte Fragen
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht – sie hängt von der Auftragsstruktur ab, nicht vom Umsatz. Aussagekräftig ist der Vergleich der Vollkosten je Auftrag im Eigenlager mit einem konkreten Angebot.
Ja. Üblich sind Aufteilungen nach Vertriebskanal, nach Artikelgruppe oder saisonal. Was sinnvoll ist, ergibt sich aus der Struktur Ihrer Aufträge.
Die eigenen Personalkosten nicht vollständig einzurechnen und den Durchschnittsmonat statt der Spitze zu betrachten. Beides lässt das Eigenlager günstiger aussehen, als es ist.
Und wenn Sie es abgeben möchten
- Fulfillment und Warehousing – Warenannahme, Lagerung, Kommissionierung und Versand
- Industrieservice – Konfektionierung, Sonderaktionen, Containerentladung
Weitere Ratgebertexte:Was kostet Fulfillment?Fulfillment-Anbieter wechseln
Unsere Leistungen im Überblick
Sie möchten Ihre Prozesse effizienter gestalten?
Schildern Sie uns Ihre Ausgangslage – Artikelstruktur, Volumen, Systemumgebung. Ein Angebot erhalten Sie innerhalb von maximal 24 Stunden.